Zum diesjährigen Weltkindertag am 20. September 2006 „kochte Bärti wieder über“. Das Kochevent knüpfte an die hervorragende Resonanz aus dem Vorjahr an. Zahlreiche prominente Köche aus der Stadt, u.a. auch die stellvertretende Bürgermeisterin Anita Schöneberg, zauberten internationale Gerichte für den guten Zweck. Der Erlös von 500 Euro kommt einem musikpädagogischen Projekt an der Förderschule in Oberbauer zu Gute. Außerdem setzte sich der Kinderschutz auf vehement gegen die drohende Abschiebung der Familie Pepaj aus Ennepetal ein und sammelte auf der Veranstaltung Unterschriften für ein Bleiberecht der Familien aus dem Kosovo.
Auszug aus der WP vom 08.09.2006
Ennepetal. (hs) Familie Pepaj ist ein Musterbeispiel an Integration. Seit acht Jahren leben Musa und Vilma mit ihren Kindern Vjollica und Kushtrim in Ennepetal. Jetzt sollen sie ihre Koffer packen. Für immer. Die zehnjährige Vjollica und ihr neun Jahre alter Bruder gehen seit zwei Jahren zur Katholischen Grundschule. Die Kinder sind gute Schüler. Lernwillig und wissbegierig. Ihre Eltern unterstützen schulische Aktivitäten und haben sogar eine Ausbildung zu Schülerlotsen gemacht. Vater Musa hat vor einigen Wochen eine Arbeitserlaubnis erhalten und sogar eine Arbeitsstelle gefunden. Ihren Lebensunterhalt bestreitet die Familie selber. Staatliche Unterstützung gibt es für die Familie nicht mehr. Doch all das scheint der kleine Flüchtlingsfamilie nichts zu nützen. Schon nächste Woche sollen die Pepajs in den Flieger Richtung Pristina/Kosovo steigen. Zwischen sieben und acht Uhr morgens soll ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde die vierköpfige Familie an ihrer Wohnung an der Kölner Straße abholen. Das hat der Ennepe-Ruhr-Kreis den Pepajs über ihren Bochumer Anwalt ausrichten lassen. Der Kinderschutzbund Ennepetal, der am Donnerstag von der drohenden Abschiebung erfuhr, ist fassungslos. Da der Verein seit Jahren Flüchtlingshilfe leistet, steht er in engem Kontakt zu den in der Klutertstadt lebenden Familien. In einem Brief an Landrat Arnim Brux bezeichnet die Vorsitzende des Ortsverbands, Kirsten Hülsmann, die Pepajs als Vorbild einer gelungenen Integration. In ihrem Schreiben weist sie den Landrat auch auf die besonders dramatische Situation der Familie hin. Denn die zehnjährige Vjollica leidet an einer epileptischen Erkrankung. Das Kind ist auf Medikamente angewiesen, die es im Heimatland der Pepajs nicht gebe. Deshalb wies der zuständige Mitarbeiter beim Kreis den Anwalt der Flüchtlingsfamilie auch in seinem Schreiben darauf hin, den Medikamentenvorrat des Mädchens aufzustocken. Der behandelnde Arzt der Kinderklinik im Allgemeinen Krankenhaus Hagen ist dazu nicht bereit. "Eine Fortsetzung der Therapie ohne adäquate medizinische Betreuung und Verlaufskontrollen halte ich für nicht vertretbar", schreibt der Leitende Arzt im Kinderneurologischen Zentrum, Dr. med. Hantschmann, in einer ärztlichen Bescheinigung. "Eine Re-Traumatisierung der Familie bei einer Rückführung in die Heimat liegt ebenfalls auf der Hand", so Hülsmann. Tragisch sei auch, dass man davon ausgehen könne, dass bei der nächsten Innenministerkonferenz ein Bleiberecht für langjährig in Deutschland geduldete Flüchtlinge anerkannt werde. Der Kinderschutzbund ist sich sicher, dass Musa und Vilma Pepaj dann ein Bleiberecht zugesprochen würde. Als inhuman und völlig widersprüchlich bezeichnet Kirsten Hülsmann, dass die Familie über Jahre geduldet wurde und ausgerechnet zwei Monate vor der Konferenz kurzfristig abgeschoben werden solle. Vor zwei Wochen waren die beiden Kinder der Pepajs noch beim Landesgeburtstag in Düsseldorf willkommen. Mit dem Chor "Nachbarskinder", der sich aus Flüchtlingskindern zusammensetzt, waren sie zum großen Festakt geladen (WP berichtete). Nun will in Deutschland keiner mehr ihre Stimmen hören. "Der Kinderschutzbund protestiert auf das Schärfste gegen die bevorstehende Abschiebung der Familie Pepaj": In ihrem Schreiben bitten die Aktiven den Landrat, die Abschiebung am Donnerstag zu verhindern. "Beenden Sie diese menschenunwürdige Behandlung und geben Sie den Kindern eine Zukunftsperspektive".
Auszug aus der WP vom 20.09.2006 (Pressemitteilung des Ennepetaler Kinderschutzbundes zur Abschiebepolitik des Landes NRW)
Ennepetal. Der heutige Weltkindertag soll aus Sicht des Kinderschutzbundes ein Fest werden. Doch die diesjährige Veranstaltung steht unter keinem guten Stern. "Es gibt Familien in unserer Stadt, denen eine Abschiebung in den Kosovo droht", so die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Kirsten Hülsmann. Damit nimmt sie Bezug auf den Fall der fünfköpfigen Familie Balja, der aktuell die Rückführung droht. Nachdem vor rund einer Woche die Abschiebung der Familie Pepaj aufgeschoben werden konnte, beunruhigt dieser Fall nun die Kinderschützer. Denn, auch bei den Baljas wären drei Kinder unter 18 Jahren betroffen. Kinder, die bisher lediglich ein Leben in Deutschland kennen. Bereits in der vergangenen Woche stand die Ausländerbehörde in den frühen Morgenstunden bei den Baljas unangemeldet vor der Tür. Wenige Stunden später sollten sie den Flieger in den Kosovo nehmen. Da eine Tochter bei ihrer Freundin übernachtete, war die Familie nicht vollzählig, das verhinderte die Abschiebung. "Die Aktion verunsicherte die Geschwister im Alter von fünf und acht Jahren dermaßen, dass von einer ,Traumatisierung gesprochen werden muss", so Hülsmann. Der Schutzbund prangert das Vorgehen der Behörden an. "Wir als Kinderschutzbund sehen in der erzwungenen Rückkehr eine unzumutbare Härte. Für die Kinder kann man sogar von einer Vertreibung aus ihrer Heimat sprechen." Deshalb will der Schutzbund heute nicht untätig bleiben. Parallel zum Kochevent "Bärti kocht über" sammeln die Organisatoren Unterschriften, um Öffentlichkeit und Politik auf diese Fälle aufmerksam zu machen.
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